Kampfsport = Selbstverteidigung?

Jeder hat bestimmt schon einmal einen Film gesehen, der sich mit Karate, Kung Fu, Ninjas oder ähnlichem beschäftigt. Ein Fim, den bestimmt jeder kennt: Karate Kid. Die erste Ausgabe mit Daniel und Mr. Miyagi. Das Beispiel schlechthin, wie hervorragend Kampfsport geeignet ist, sich selber zu verteidigen. Sollte man meinen.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst. Daniel zieht mit seiner Mutter um und verliebt sich in eine schnuckelige Blondine. Die hat aber einen eifersüchtigen ExFreund, der die Trennung nicht hinnehmen möchte und ausserdem der beste Schüler der örtlichen Karate Schule ist. Am Strand legt sich Daniel mit ihm an. Dieser wird anständig verhauen und steht damit auf der Abschussliste des Karate-ExFreundes und seiner Clique.

Bei jeder passenden Gelegenheit bezieht er nun Schläge. Einmal gelingt ihm fast die Flucht, doch kurz vor dem rettenden Zuhause stellt und verwemmst man ihn, aber richtig. Im letzten Moment greift der japanische Hausmeister, der ebenfalls Karate in Japan als Familientradition gelernt hat, ein und schlägt die ganze Clique zusammen.

Da er die Situation des Jungen versteht, unterrichtet er Daniel in Karate. Auf einem Karate Turnier schlägt er die ganze Clique, erarbeitet sich damit deren Respekt und Anerkennung und hat fortan seine Ruhe.

Fazit: Karate ist ideal um sich zu verteidigen.

Betrachrachten wir den Film realistisch. Jemand der quasi kein Kampfsportwissen hat, legt sich mit einer ganzen Kampfsportgruppe an. Wie oft haben wir so etwas schon gehört. Steht doch quasi täglich in der Zeitung. Ja etwa nicht? Aha! Lesen und hören wir nicht eher von feigen und hinterhältigen Angriffen? Entweder mehrere auf einen, oder ein Starker gegen einen Schwachen? Oder jemand mit einer Waffe (Knüppel, Messer, Schusswaffe) gegen jemand Unbewaffneten?

Karate ist ein wunderschöner Sport, er fordert den ganzen Körper. Aber stellen wir uns vor, Daniel wäre nicht in der Öffentlichkeit auf eine Karate Clique getroffen, von denen immer nur einer, Mann gegen Mann, gegen Ihn antritt, sondern in einer dunklen Ecke auf eine Gruppe junger Männer mit Baseballschlägern. Wäre das gut gegangen?

Gerne werden auch Kung Fu Filme gezeigt. Die Handlung ist meist ähnlich. Zwei Kung Fu Schüler verschiedener Schulen treffen aufeinander. Jeder ist der Meinung, dass das Kung Fu seines Meisters bzw. Lehrers das einzig wahre Kung Fu ist. Als der andere das anzweifelt, kämpft man sofort mit spektakulären Techniken aufeinander ein. Da werden die unglaublichsten Schläge und Tritte abgewehrt und gekontert.

Fazit: wer so Kung Fu kann, der kann sich ganz sicher auf der Strasse bewegen und muss vor nichts und niemandem Angst haben.

Auch hier betrachten wir wieder die Realität. Wenn wir von gewalttätigen Übergriffen hören, wie oft hören wir davon, dass die Gegner minutenlang gegeneinander gekämpft haben? Ist es nicht eher so, dass ein Kampf schnell vorbei ist und dann nur noch auf das wehrlose Opfer eingeschlagen und getreten wird.

Die Realität weicht in zwei Punkten leider massiv von den romantisch angehauchten Filmen ab. Zum einen werden wir uns nicht den Respekt des Angreifers verdienen, wenn wir beginnen uns zu wehren. Entweder ergreift er die Flucht, dann haben sie etwas erreicht, oder – und das ist leider viel häufiger der Fall – er wird exrem unfair, z.B. wirft er etwas nach uns oder sucht sich eine Art Waffe, eine Zaunlatte oder eine Flasche. Der schlimmste Fall, er zieht eine vorher verborgene Waffe, ein Messer oder eine Schusswaffe.

Wir müssen in der Selbstverteidigung immer davon ausgehen, dass die Angreifer kein Gewissen haben. Wie sonst kann man erklären, dass einem Mann in einem U-Bahnhof von hinten in den Rücken getreten wird. Und als er benommen zu Boden geht, tritt ihm sein Angreifer immer und immer wieder mit voller Wucht auf den Kopf und ins Gesicht. Dieses Video ging lange durch alle Nachrichtensendungen.

Wie sonst kann man erklären, dass sich ein Mann im Bus zwischen die Angreifer und Ihr Opfer stellt. Und als er den Bus verlässt folgen ihm die Angreifer, schlagen ihn zusammen, er stirbt an seinen Verletzungen.

Selbstverteidigung ist heikel und weicht in jeder nur denkbaren Form von der Realität ab. Es gibt kein faires „Mann gegen Mann“. Kein „Du bist in Ordnung, lass uns Freunde sein“. Selbstverteidigung ist gemein, tückisch und hinterhältig. Wir haben nur eine Chance, uns zu verteidigen, jede Schwäche wird ausgenutzt und der Gegner wird jeden sich bietenden Vorteil nutzen, wenn er auf Gegenwehr trifft. Findet er eine Waffe wird er sie benutzen!

Das bedeutet wir müssen bereit sein, Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Alles andere ist Augenwischerei. Natürlich lernt man im Kampfsport, Schläge abzuwehren. Aber der Angreifer wird nicht nach einem Schlag beeindruckt nicken und verschwinden. Er wird wieder schlagen und wieder und wieder. Wenn wir das immer wieder abblocken, wird er irgendwan etwas suchen, was er als Waffe nutzen kann. Spätestens jetzt haben wir ein Problem.

Wir müssen bereit sein, einen eindeutigen Angriff abzuwehren und so zu kontern, dass der Gegner uns nicht noch einmal angreifen wird. Stellen wir uns zwei Angreifer vor. Wir können uns nicht lange mit dem ersten beschäftigen, denn der zweite wird nicht warten, bis sein Kumpel besiegt ist und dann seinen Platz einnehmen. Er wird versuchen, seinen Kumpel zu unterstützen. Entweder wirft er sich mit in den Kampf, alternativ springt er uns von hinten an, nimmt uns von hinten in den Würgegriff, zieht uns eine Flasche über oder sonst was. Wir müssen also Nummer eins so schnell und eindeutig ausser Gefecht setzen, dass Nummer zwei keine Chance hat, zu unseren Ungunsten einzugreifen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.