Du lernst was Du trainierst

Eine Bank irgendwo in der Welt. Ein Bankräuber möchte diese Bank mit einer Pistole überfallen. Ein zufällig anwesender Polizist stellt sich dem Bösewicht entgegen. Er entwaffnet den Räuber – erfolgreich! Danach reicht er ihm freundlich die Pistole zurück, die dieser gerne nimmt…und den Polizisten erschiesst.Was ist passiert?

Im Training wurde der Polizist immer wieder mit der Übungswaffe bedroht, um die Entwaffnung zu üben. Nach jedem Versuch reichte der Polizist dem Partner die Waffe, der ihn erneut bedrohte und wieder entwaffnet wurde. Und das immer und immer wieder. In seinem Unterbewusstsein hatte sich die Trainingssituation festgesetzt: entwaffnen und Waffe zurück geben. Das kostete ihn sein Leben.

Achten sie bei jedem Selbstverteidigungstraining darauf, realistisch zu trainieren. Bringen sie Stresskomponenten ins Training ein, damit sie auf den Ernstfall vorbereitet sind.

Ein schönes Beispiel für Stresstraining: ich nahm einen guten Freund zum Training mit. Wir übten dieselbe Abwehr immer wieder, bis sie recht gut sass. Ich griff ihn an, er wehrte ab. Dann startete ich den Angriff, den wir 100 mal geübt hatten, mit einem lauten Schrei. Obwohl er wusste was kommt, obwohl er die Abwehrbewegung beherrschte, war er handlungsunfähig. Er hatte zum einen den Schrei nicht erwartet, zum anderen war es vollkommen ungewohnt für ihn, angeschriehen zu werden. Er gestand mir, sich sogar vor lauter Schreck auf die Zunge gebissen zu haben.

Selbstverteidigung wird regelmässig unter Idealbedingungen trainiert. Der Trainer versucht natürlich, Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Man trainiert sicher und schmerzfrei. Nach jahrelangem Karatetraining machte ich einige Karate Selbstverteidigungs Lehrgänge. Ich fühlte mich gut gerüstet. Dann trat ich – recht selbstbewusst – einem Krav Maga Verein bei. Nach einigen Trainingseinheiten kam es zum ersten Sparring. Vollkommen überzeugt wandte ich mich meinem Trainer zu. Dieser liess mich einige Zeit schlagen und landete dann einen gut gezielten, ungefährlichen, aber sehr schmerzhaften Haken an meinen Kopf. Ich liess vor Schreck und Überraschung meine Deckung fallen und wurde zum Dank mit weiteren schmerzhaften Schlägen an Kopf und Körper eingedeckt. Was ist passiert?

Ich hatte gelernt mich zu verteidigen, aber ich hatte nie gelernt, dass auch ich hart getroffen werden kann. Schmerzen hatte ich in der Selbstverteidigung nie kennen gelernt. Der erste richtige Treffer hat mich so geschockt, dass ich vor Überraschung über das Unerwartete nicht mehr in der Lage war, weiter zu kämpfen. Und mein Trainer tat, was auf der Strasse passieren würde, er erkannte meine Schwäche und nutzte seine Chance.

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