Stress

Was häufig in allem, was sich Selbstverteidigung nennt, vergessen wird zu trainieren, ist das Training unter Stress. Dabei kann der Stress viele Gesichter haben
– man kommt vollkommen unerwartet in eine Verteidigungssituation
– man steht plötzlich mehrereren Gegnern gegenüber, die angreifen möchten
– man wird angeschriehen, lautstark bedroht oder geschubst

Stress kann all das verursachen, worauf wir nicht vorbereitet sind. Wir schlendern gedanken verloren durch die Gegend und plötzlich kommt jemand aus dem Gebüsch gesprungen.

Drei Personen kommen gezielt auf uns zu, sehen finster aus und einer zeigt dabei vielleicht noch auf uns.

Jemand denkt wir hätten ihm den Parkplatz weggenommen, schubst uns rum, droht, schreit und fuchtelt mit den Fäusten.

Von daher sollte Selbstverteidigungs Training immer auch unter Stress stattfinden. Die Methoden sind vielfälltig.

Man haut die ganze Zeit auf eine Pratze oder einen Sandsack, ein Trainingspartner steht im Hintergrund und soll uns irgendwann angreifen.
Wir kämpfen mit einem Partner und irgendwann greift ein zweiter Partner in den Kampf ein und attackiert uns auch.
Der Partner, der mit uns trainiert soll, uns anschreihen, rumstossen und dann erst irgendwann angreifen.

Es gibt mehrere Methoden, sich so gut wie möglich auf Unerwartetes einzustellen. Ist man beim ersten anschreien des Partners noch unsicher, findet es vielleicht sogar albern, kommt man schnell dahin, sich von Drohgebärden nicht mehr erschrecken oder einschüchtern zu lassen. Kommt auf dem Parkplatz jemand, schreit uns an, na und. Das hatten wir 1000 mal im Training. Seien sie sicher, sie werden vollkommen unbeeindruckt bleiben. Kommt während einer Tätigkeit jemand und schubst uns von hinten, wir kennen das aus dem Training.

Sinn und Ziel ist es, nicht erschrocken zusammen zu fahren. Beim erschrecken spannen wir unbewusst Muskeln an. Diese sind in diesem Zustand nicht in der Lage, etwas anderes zu tun, also z. B. eine Abwehrbewegung oder einen Schlag auszuführen. Eine vernünftige Selbstverteidigung sollte darauf so gut wie möglich vorbereiten, in ungewohnten Situationen nicht erschrocken zu reagieren und handlungsunfähig zu werden. Ein Strassenschläger aus dem Hinterhalt hat geplant, aus dem Gebüsch zu kommen, auszuholen und zuzuschlagen. Unser Schreckmoment sorgt dafür, dass er uns voll trifft und wir keine Chance haben, etwas dagegen zu tun.

Mancher wird jetzt einwerfen, dass er im Kampfsporttraining jeden Zweikampf gewinnt und das so auf die Strasse übertragen kann. Dass er auf alles vorbereitet ist. Nach jahrelangem Training war auch ich genau dieser Meinung. Und trotzdem habe ich feststellen müssen, dass alles Unerwartete mich erschrocken hat wie oben beschrieben. Und wenn ich nur beim einkaufen vor dem Regal gestanden habe, intensiv überlegt habe, was ich kaufen soll und mich eine Freundin plötzlich gesehen und unerwartet von hinten angesprochen hat.

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