Schmerz

Schmerz ist meiner Meinung nach ein elementarer Bestandteil realistischer Selbstverteidigung. Denn jeder noch so gut trainierte Kampfsportler kann getroffen werden und sollte dann nicht vor Überraschung handlungsunfähig sein.

In irgendeiner Form kennt jeder von uns Schmerz. In der Küche schneiden wir uns bei den Kochvorbereitungen, beim Fussball spielen werden wir getreten, beim essen beissen wir uns auf die Zunge, es gibt tausend Möglichkeiten. Aber eins haben in der Regel alle Schmerzen gemeinsam. Wir stoppen sofort unsere aktuelle Handlung und konzentrieren uns auf den Schmerz. Bluten wir? Bleibt der Schmerz? Ist es vielleicht eine gefährliche Verletzung?

Übertragen in die Selbstverteidigung kann dieses Verhaltens fatal sein. Wir geraten in eine Schlägerei. Die ersten Schläge blocken wir ab, kontern vielleicht auch ganz gut, dann trifft uns ein – nicht mal besonders kräftiger – Schlag am Kopf. Sofort stoppen wir die Verteidigung, konzentrieren uns auf den Schmerz und werden – wenn wir Glück haben – NUR übelst verhauen.

Als ich mit dem Krav Maga Training begann, lernte ich das erste mal Sparring kennen. Mit Gesichtsschutz und Boxhandschuehen trat ich gegen meinen Trainer an. Irgendwann holte er aus, ich bekam einen Kopfhaken. Da ich das nicht kannte, trotz mehrjährigem Karate-Training, war ich verblüfft, liess jede Deckung fallen und versuchte zu realisieren, was da gerade passiert war. Mein Trainer tat, was auch in jeder Schlägerei passieren würde. Er erkannte meine Schwäche, nutzte sie aus und deckte mich weiter mit Schlägen ein.

Man muss es mit den Schmerzen nicht übertreiben. Keiner sollte sich hinstellen und von anderen Personen wehrlos schlagen lassen. Aber ein vernünftiges und realistisches Training sollte zeigen, dass man nicht unbesiegbar ist, sondern dass man durchaus auch getroffen werden kann, man aber weiter kämpft.

Nach über 3 Jahren Krav Maga Training besuchte ich wieder ein paar mal meinen ehemaligen Karate Verein. Irgendwann kam als normaler Trainingsbestandteil das „Kumite“. In meinem Karate Stil wird nur mit ganz leichtem Kontakt gekämpft, man berührt sich kaum. Während eines Kampfes traf mich mein Trainingspartner leicht am Kopf. Er entschuldigte sich sofort mehrfach und war im ansehbar peinlich – ich hatte den Treffer nicht mal wirklich wahrgenommen. Durch regelmässiges Sparring waren Treffer und dmait verbundener Schmerz für mich ganz normal geworden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.