Sport vs. Realität

Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen Kampfsport- oder Selbstverteidigungstraining. Diese sollten sie stets im Hinterkopf haben. Egal wie gut sie trainiert haben.

1.) Umgebungsbedingungen

Trainiert wird in der Regel unter Idealbedingungen. Sie tragen ideale Kleidung um sich zu verteidigen, Die Umgebungstemparatur ist angenehm. Sie haben Sportschuhe an auf einem Bodenbelag, der dafür geeignet ist. Ausserdem sind sie mental auf das Training vorbereitet und ausgeruht.

Im Ernstfall haben sie vielleicht ein enge Jeans und Schlappen an, die Damen vielleicht hohe Absätze. Es sind vielleicht 30 Grad, sie haben Hunger oder Durst, kommen gerade vom Sport oder der Arbeit, sind ausgelaugt und laufen durch den Wald.

2.) der Gegner

Beim Training kennen Sie Ihren Trainingspartner. In der Regel werden sie mit all Ihren Möglichkeiten trainieren, aber sie werden Ihren Gegner nicht ernsthaft verletzen wollen. Sie werden in die Beine treten, aber nicht gezielt in die Gelenke. Sie werden auf die Brust oder den Kopf schlagen, aber niemals in den Hals. Sie werden bei Hebeln loslassen, wenn der Partner abschlägt. Und Ihre Trainingspartner werden sich ebenso verhalten.

Im Ernstfall hat sich Ihr gegenüber fest vorgenommen, sie zu verletzen. Er wird dorthin schlagen, wo er den meisten Schaden anrichten kann. Kehlkopf, Nase, Gelenke. All die Stellen, die sie im Training gezielt aussparen. Knochenbrüche? Und wenn schon. Sie sind ein ausgesuchtes Opfer, kein sportlicher Partner!

3.) Fair Play

Beim Training gehen sie nie über eine gesteckte Grenze hinweg. Haben sie mehrere saubere Schläge gelandet, einen guten Hebel angesetzt, können Sie davon ausgehen, ihr Partner ist besiegt. Nun werden die Rollen getauscht oder das nächste Szenario wird trainiert.

Die Realität zeigt, sie zu „besiegen“, also wehrlos zu machen, ist heute nur noch der erste Schritt. Sind sie nicht mehr in der Lage sich zu verteidigen, fangen die meisten Angreifer erst richtig an. In der Vergangenheit gab es diverse Überwachungsvideos aus Bahnhöfen. Lag das Opfer auf dem Boden, wurde zugeschlagen und zugetreten. Mit den Füssen auf den Kopf, ins Gesicht, in den Körper. Sie sind in diesem Moment nicht mehr in der Lage, Abwehrreaktionen einzuleiten. Selbst schützen des Gesichts mit den Armen oder anspannen der Muskulatur sind ausgeschlossen. Jeder Tritt und Schlag trifft sie voll und fügt ihnen schwere, vielleicht lebensgefährliche, Verletzungen zu.

Fazit

Egal wie hart sie trainieren, egal wie gut sie sind, egal wie lange sie bereits trainieren. Rechnen sie nie damit, dass ein Angreifer auf der Strasse Regeln beachtet oder zurückhaltend ist. Gehen Sie immer vom schlimmsten aus. Selbst ein einfacher Schlag, durch den sie stürzen, kann bei einem unglücklichen Aufprall tödlich sein. Werden sie angegriffen und haben sie den Eindruck, dass der Angreifer es ernst meint, seien sie konsequent. Kämpfen sie unfair, Ihr Gegner tut es auch.

Wie sagte einmal ein Trainingspartner in einer Diskussion nach einem Selbstverteidigungslehrgang: „ich beschäftige mich lieber vor Gericht mit einem Anwalt, als im Krankenhaus mit einem Arzt“. Soll heissen „lieber gehe ich gesund vor Gericht und verantworte mich für meine Verteidigung, als dass ich schwer verletzt mit einem Arzt im Krankenhaus darüber rede, ob und wie ich überlebe“.

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